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Seltene Erkrankungen – unerklärliche Symptome Bei akuten Abdominalschmerzen ist ärztlicher Spürsinn gefragt

4. Mai 2019

Wiesbaden, 5. Mai 2019 – Plötzlich auftretende heftige Abdominalschmerzen sind möglicherweise Alarmzeichen für eine schwerwiegende Erkrankung. Trotz einer ausführlichen Differentialdiagnose wird nicht immer die Ursache gefunden. Die anhaltende Ungewissheit und die permanente Angst vor der nächsten Schmerzattacke belastet viele Patienten. Wird dann nach Jahren oder Jahrzehnten eine seltene Erkrankung diagnostiziert, z. B. das hereditäre Angioödem (HAE), sind viele Betroffene geradezu erleichtert. HAE ist eine seltene genetische Erkrankung, die durch plötzliche Schwellungsattacken der Haut und der Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt gekennzeichnet ist. Der Verdacht auf HAE liegt nahe, wenn zusätzlich zu den abdominellen Beschwerden rezidivierende Hautschwellungen auftreten. Mit dem Befund können konkrete Behandlungsstrategien entwickelt und Krankheitsrisiken abgeschätzt werden. Im Rahmen des 125. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin 2019 berichtete Dr. Emel Aygören-Pürsün, Universitätsklinikum Frankfurt, über das weite Spektrum möglicher Ursachen von Abdominalschmerzen – von harmlos bis lebensbedrohlich. Prof. Dr. Petra Staubach, Universitätsmedizin Mainz, stellte die verschiedenen Therapieansätze beim HAE und insbesondere die seit Februar verfügbare subkutane Routineprophylaxe TAKHZYRO▼® (Lanadelumab) vor.

Abdominelle Symptome gehören zu den häufigsten Beschwerden in der allgemeinärztlichen und internistischen Praxis. Die Liste der möglichen Ursachen ist umfangreich, von Appendizitis, Cholezystitis und Dünndarmobstruktionen bis hin zu akuter Pankreatitis. „Im ersten Schritt gilt es abzuklären, ob eine dringliche Intervention erforderlich ist oder weniger gravierende Ursachen eine Behandlung ohne Zeitdruck erlauben“, beschrieb Aygören-Pürsün die gängige Praxis. Die Befunderhebung ist mitunter aufwändig und mit bildgebenden Verfahren verbunden, da sich hinter einem identischen Leitsymptom mehrere Ursachen verbergen können. Die unklaren Symptome können zu Fehldiagnosen bis hin zu nicht-indizierten operativen Eingriffen führen. Ein Beispiel sind HAEbedingte Bauchkrämpfe und kolikartige Beschwerden aufgrund von schmerzhaften Schleimhautschwellungen im Gastrointestinaltrakt. Neben den bereits genannten Differential- bzw. Fehldiagnosen werden sie häufig mit allergischen Reaktionen, Intoleranzreaktionen auf Nahrungsmittel oder – bei Hautschwellungen – Formen der Nesselsucht verwechselt.1,2 Eine Therapie mit Antihistaminika und Kortison führt in diesen Fällen nicht zur Symptomlinderung.3 Wichtige Hinweise auf die tatsächliche Ursache geben in vielen Fällen zusätzliche Hautschwellungen, z. B. im Gesicht oder an den Extremitäten. „Das wiederholte Auftreten von Hautödemen und gleichzeitig kolikartigen Abdominalschmerzen gilt als rote Flagge für ein hereditäres Angioödem“, erläuterte Aygören-Pürsün. Hautödem-Attacken können im Gesicht, an den Extremitäten oder im Bereich der Genitalien auftreten. Sind die Atemwege betroffen, kann die Erkrankung sogar zum Ersticken führen.3,4

Indizien, die auf HAE hinweisen

„Weitere wichtige Hinweise auf das mögliche Vorliegen eines HAE sind der Anamnese und der familiären Vorbelastung zu entnehmen“, ergänzte Prof. Dr. Staubach. Die Erstmanifestation der seltenen Erkrankung erfolgt in der Regel im Kindes- und Jugendalter. Etwa 85 % sind von HAE Typ I betroffen, bei dem die Konzentration und die Aktivität des C1-Inhibitor-Proteins (C1-INH) erniedrigt ist. Bei HAE Typ II, der bei ca. 15 % der Patienten festzustellen ist, treten normale bis erhöhte Werte eines funktionsgestörten C1-INH auf. Beide HAE-Typen beruhen auf einer Mutation des entsprechenden Gens. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung vererbt wurde, liegt bei 50 %, wenn ein Elternteil ebenfalls Träger der Mutation ist. Bei etwa 20-25 % der Patienten werden Neumutationen festgestellt.3

Weisen die Symptome Abdominalschmerz und Hautschwellungen verstärkt auf ein HAE hin, ist die labordiagnostische Prüfung der nächste Schritt. Es werden unter anderem die C1-INH-Konzentrationen, Komplementfaktor C4 und die Aktivität sowie Funktionsfähigkeit des C1-INH-Proteins erfasst. So können HAE Typ I und II diagnostisch gesichert und von anderen, noch selteneren Angioödem-Formen unterschieden werden (Tab. 1).3

  HAE Typ I HAE Typ II HAE mit normalem C1-INH Erworbener C1-INH-Mangel
C1-INH-Konzentration n/↑ n
C1-INH-Funktion n
C4-Konzentration n

Tab. 1: Labordiagnose von HAE Typ I und II und anderen Angioödem-Formen (adaptiert nach 3).

Signifikante Verbesserung der Lebensqualität durch adäquate Therapie

Die oft lange Zeitspanne von Beginn der Beschwerden bis zur richtigen Diagnosestellung belastet viele Patienten. „Besonders beeinträchtigen die Attacken selbst sowie die ständige Angst vor der nächsten, unvorhersehbaren Attacke erheblich Privatleben, Ausbildung und Beruf der Betroffenen,“ referierte Staubach.5,6 Ein optimales HAE-Management und Prophylaxe tragen daher aus ihrer Sicht zur wesentlichen Verbesserung der Lebensqualität bei.

Nach den aktuellen Leitlinien der World Allergy Organization (WAO) und der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) 3 sollte die Therapie auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sein. Eine Langzeitprophylaxe sollte bei Patienten in Lebenssituationen mit erhöhter Krankheitsaktivität erwogen werden. Bei jeder Kontrolluntersuchung ist die Langzeitprophylaxe unter Berücksichtigung der Krankheitslast und der Präferenzen der Patienten zu evaluieren. Eine Kurzzeitprophylaxe wird vor Eingriffen mit Attacken-Risiko empfohlen. Eine Bedarfstherapie kommt bei allen Attacken in Betracht, v.a. bei jeder Attacke der oberen Atemwege. Attacken sollten so früh wie möglich behandelt werden.3

Für die Langzeitprophylaxe eines HAE steht für Patienten ab 12 Jahren seit Februar 2019 Lanadelumab (TAKHZYRO▼®) zur Verfügung. Der humane monoklonale Antikörper hemmt spezifisch das Plasma- Kallikrein und wird alle 2 Wochen subkutan verabreicht. In der Zulassungsstudie konnte mit 300 mg Lanadelumab subkutan alle 2 Wochen die Häufigkeit der HAE-Attacken um 87% gegenüber Placebo reduziert werden (p<0,001). In der Steady-State-Behandlungsphase (Tag 70 bis Tag 182) waren fast 8 von 10 Patienten (77%) attackenfrei gegenüber 3% mit Placebo. Auch die Lebensqualität konnte signifikant verbessert werden.7

Desweiteren sind verschiedene C1-INH-Konzentrate verfügbar, die intravenös (zur Langzeit- und/oder Kurzzeitprophylaxe und/oder Bedarfstherapie)3 oder subkutan (Langzeitprophylaxe)8 verabreicht werden. Der subkutan zu applizierende Bradykinin-B2-Rezeptor Icatibant (Firazyr®) wird zur Bedarfstherapie eingesetzt.3

839 Wörter; 6.641 Zeichen inkl. Leerzeichen

Quellen

Symposium der Shire Deutschland GmbH, jetzt Teil der Takeda Group, „Selten gesehen oder häufig übersehen? Ungewöhnliche Ursachen akuter Abdominalschmerzen“, 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin 2019, 5. Mai, Wiesbaden

  1. Bork K et al. Am J Gastroenterol 2006;101:619-627
  2. Zanichelli A et al. Ann Allergy Asthma Immunol 2016;117:394-398
  3. Maurer M et al. Allergy 2018;73:1575-1596
  4. Bork K et al. J Allergy Clin Immunol 2012;130:692-697
  5. Aygören-Pürsün E et al. Orphanet J Rare Dis 2014;9:99
  6. Caballero T et al. Allergy Asthma Proc 2014;35:47-53
  7. Fachinformation TAKHZYRO 300 mg Injektionslösung (Lanadelumab), November 2018
  8. Longhurst H et al. N Engl J Med 2017;376:1131-1140
▼Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Hinweise zur Meldung von Nebenwirkungen, siehe Abschnitt 4.8 der Fachinformation.

TAKHZYRO 300 mg Injektionslösung
Wirkstoff: Lanadelumab
Zusammensetzung:
Eine Durchstechflasche enthält 300 mg Lanadelumab* in 2 ml Lösung.
*Lanadelumab wird in der Ovarienzelllinie des chinesischen Hamsters (Chinese Hamster Ovary, CHO) mittels rekombinanter DNA‐Technologie hergestellt. Sonstige Bestandteile: Dinatriumphosphat‐Dihydrat, Citronensäure‐Monohydrat, L‐Histidin, Natriumchlorid, Polysorbat 80, Wasser für Injektionszwecke.
Anwendungsgebiete: Routinemäßige Prophylaxe von wiederkehrenden Attacken des hereditären Angioödems (HAE) bei Patienten ab 12 Jahren.
Gegenanzeigen:
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
Nebenwirkungen:
Sehr häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzen, Hautrötung, blaue Flecken, Unbehagen, Schwellung, Blutung, Juckreiz, Verhärtung der Haut, Kribbeln, Wärme und Ausschlag. Häufig: Allergische Reaktionen einschließlich Juckreiz, Unbehagen und Kribbeln auf der Zunge; Schwindelgefühl, Ohnmachtsgefühl; erhabener Hautausschlag; Muskelschmerz; anomale Leberenzymwerte.
Weitere Angaben: s. Fach‐ und Gebrauchsinformation. Verschreibungspflichtig.
Shire Pharmaceuticals Ireland Limited, Blocks 2 & 3 Miesian Plaza, 50‐58 Baggot Street Lower Dublin 2, IRLAND
Stand der Information: November 2018

Firazyr® 30 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze.
Wirkstoff:
Icatibant‐Acetat.
Zusammensetzung: Eine 3‐ml‐Fertigspritze enthält 30 mg Icatibant (als Acetat).
Ein ml Lösung enthält 10 mg Icatibant. Sonstige Bestandteile: Natriumchlorid, Eisessig, Natriumhydroxid, Wasser für Injektionszwecke.
Anwendungsgebiete: Symptomatische Behandlung akuter Attacken eines hereditären Angioödems (HAE) bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 2 Jahren mit C1‐Esterase‐Inhibitor‐Mangel.
Gegenanzeigen:
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
Nebenwirkungen:
Sehr häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle (Blauer Fleck, Hämatom, Brennen, Erythem, Hypästhesie, Reizung, Taubheitsgefühl, Ödem, Schmerzen, Druckgefühl, Juckreiz, Schwellung, Urtikaria und Wärme an der Injektionsstelle). Häufig: Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Übelkeit, Ausschlag, Erythem, Pruritus, Fieber, Transaminasen erhöht. Bei Erwachsenen seltene Fälle vorübergehend positiver Testergebnisse auf Anti‐Icatibant‐Antikörper (Wirksamkeit blieb erhalten). Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar): Quaddeln (Urtikaria).
Hinweise: Subkutane Anwendung. Firazyr kann von Patienten selbst oder von Pflegepersonen angewendet werden, sofern sie zuvor durch medizinisches Fachpersonal in der subkutanen Injektionstechnik geschult worden sind.
Weitere Angaben: s. Fach‐ und Gebrauchsinformation. Verschreibungspflichtig. Shire Pharmaceuticals Ireland Limited, Block 2 & 3 Miesian Plaza, 50 – 58 Baggot Street Lower, Dublin 2, D02 Y754, Ireland. Örtlicher Vertreter: Shire Deutschland GmbH, 10117 Berlin.
Stand der Information: März 2019

Unser Engagement für das hereditäre Angioödem
Shire, jetzt Teil von Takeda, unterstützt Patienten seit 10 Jahren als zuverlässiger und dauerhafter Partner der HAE-Community. Wir sind vom Recht der Patienten auf eine maßgeschneiderte Behandlung überzeugt und fühlen uns einer fortgesetzten Innovation verpflichtet. Unser aktuelles Produktportfolio umfasst individuelle Therapieoptionen, um den verschiedenen Bedürfnissen der HAE-Patienten gerecht zu werden. Neben dem Fokus auf der Entwicklung neuer Behandlungen unterstützen wir maßgeschneiderte Angebote für die HAE-Community.

Über die Shire Deutschland GmbH, jetzt Teil der Takeda Group
Takeda ist ein forschungsgetriebenes, wertebasiertes und global führendes biopharmazeutisches Unternehmen mit Hauptsitz in Japan. Als größter japanischer Arzneimittelhersteller engagiert sich Takeda in 80 Ländern und Regionen weltweit dafür, Patienten mit wegweisenden medizinischen Innovationen eine bessere Gesundheit und eine schönere Zukunft zu ermöglichen. Takeda fokussiert seine Forschung auf die Therapiegebiete Onkologie, Gastroenterologie, Erkrankungen des zentralen Nervensystems und Seltene Erkrankungen – sowohl in eigenen Zentren als auch gemeinsam mit externen Experten. Außerdem investiert Takeda zielgerichtet in Forschungsaktivitäten in den Bereichen Plasmabasierte Therapien und Impfstoffe, um eine noch stabilere und vielfältigere Pipeline aufzubauen. Dabei steht der Patient mit seinen Bedürfnissen jederzeit im Mittelpunkt: Unsere Mitarbeiter engagieren sich täglich dafür, die Lebensqualität von Patienten weltweit zu verbessern und die Zusammenarbeit mit Partnern im Gesundheitswesen voranzutreiben.

Die Shire Deutschland GmbH, seit dem 8. Januar 2019 Teil der Takeda Group, und die Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG, ergänzt durch weitere administrative Funktionen in Konstanz, steuern von Berlin aus die gesamten Takeda Aktivitäten für den deutschen Markt. Als Teil eines globalen Produktionsnetzwerkes betreibt Takeda in Deutschland Produktionsstätten im brandenburgischen Oranienburg sowie in Singen. Insgesamt sind mehr als 2.300 Mitarbeiter für Takeda in Deutschland tätig. Besuchen Sie uns im Internet: www.shire.de und www.takeda.de; Datenschutzhinweis: www.shire.de/impressum/privacy-notice und www.takeda.de/privacy.

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Diese Pressemitteilung enthält Hintergrundinformationen unseres Hauses für die Fachpresse zu Teilaspekten einer umfassenden, breiten Berichterstattung der Fachpresse über das hereditäre Angioödem sowie neuen Entwicklungen in der Forschung. Sie soll eine eigene Befassung der Fachpresse mit diesem wichtigen Thema im Rahmen einer unabhängigen Berichterstattung erleichtern und ist nicht zur unveränderten Übernahme bestimmt.


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