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Angioödeme in der allergologischen Praxis: Bei Differentialdiagnose und Therapie die individuelle Situation im Blick behalten

25. September 2019

Hannover, 26. September 2019 – Der Durchblick bei der Differentialdiagnose, der Einblick in Alters- und Genderaspekte sowie der Ausblick zum neuen Stellenwert der Prävention waren die bestimmenden Themen eines Symposiums anlässlich des Allergiekongresses in Hannover.* Mastzell- und Bradykinin-vermittelte Angioödeme sind durch eine Blickdiagnose kaum zu unterscheiden. Deren klare Differenzierung ist jedoch die Basis für eine wirksame Therapie.1,2 Alters- und Genderaspekte spielen sowohl hinsichtlich der Diagnose als auch des therapeutischen Managements eine wichtige Rolle – vor allem bei Bradykinin-vermittelten Angioödemen.3,4 Die wachsende Bedeutung der Prävention zeigt sich beim Bradykinin-vermittelten hereditäten Angioödem (HAE).1 Der humane monoklonale Antikörper Lanadelumab (TAKHZYRO▼®) bietet vielen Patienten ab 12 Jahren die Chance attackenfrei zu werden und verbessert deren Lebensqualität klinisch bedeutsam.5,6

„Zur Differentialdiagnose von Angioödemen sind diese zunächst von anderen kutanen / subkutanen Schwellungen, u.a. bei Tumoren oder beim Luftemphysem, abzugrenzen“, erläuterte Prof. Dr. Bettina Wedi, Hannover*. „Während Quaddeln mit Juckreiz bei Bradykinin-vermittelten Angioödemen nicht vorkommen, treten sie bei Mastzell-vermittelten Formen häufig auf – aber eben nicht immer. Die klare Unterscheidung beider Formen ist wichtig, denn die Pathophysiologie bestimmt die Therapie.“

Durchblick: Wenn Antihistaminika und Kortikosteroide nicht wirken
Nach den aktuellen Leitlinien der World Allergy Organization (WAO) und der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) zum Management des HAE besteht der Verdacht auf ein HAE (und ein Mastzell-vermitteltes Angioödem ist entsprechend unwahrscheinlich), wenn:

  • rezidivierende Schwellungsattacken mit oder ohne Quaddelbildung einhergehen,
  • wiederholt schmerzhafte Abdominalattacken auftreten,
  • auch Ödeme der oberen Atemwege auftreten,
  • die Familienanamnese positiv ist,
  • die Erstmanifestation innerhalb der ersten beiden Lebensjahrzehnte auftrat,
  • Prodromi manchen Attacken vorangehen und
  • Antihistaminika, Kortikosteroide oder Adrenalin nicht wirken.1

Bei HAE-Verdacht hilft die Bestimmung der Plasmaspiegel von Komplementfaktor C4 und C1- Inhibitor (C1-INH) sowie der C1-INH-Konzentration (Tab. 1) die Diagnose zu bestätigen und es von anderen Bradykinin-vermittelten Angioödemen abzugrenzen. Der C1-INH reguliert das Kallikrein-Kinin-System und damit die Bradykinin-vermittelte Vasodilatation und Gefäßpermeabilität.1

  HAE Typ I HAE Typ II HAE mit normalem C1-INH Erworbener C1-INH-Mangel
C1-INH-Konzentration n/↑ n
C1-INH-Funktion n
C4-Konzentration n

Tab. 1: Labordiagnose von HAE Typ I und II und anderen Bradykinin-vermittelten Angioödemen1

 

Einblick: Wichtige Rolle von Alter und Geschlecht bei Bradykinin-vermittelten Angioödemen
„Zu berücksichtigen sind auch Alters- und Genderaspekte bei der Diagnose und Betreuung der Betroffenen“, so Prof. Dr. Petra Staubach, Mainz*. Beide Formen können ab dem Säuglings- und Kindesalter auftreten, nur durch erworbenen C1-INH-Mangel sowie durch bestimmte Antihypertonika (z.B. ACE-Hemmer) induzierte Angioödeme (beide Bradykinin-vermittelt) treten erst bei Erwachsenen bzw. älteren Patienten auf. Beim HAE ist zu berücksichtigen, dass die Differentialdiagnose abdomineller Schmerzen im Kindesalter schwierig sein und eine später beginnende Krankheitsaktivität auch auf Neumutationen (bis zu 20 % der Fälle) beruhen kann.3 „Die Krankheitslast kann altersabhängig bei beiden Formen variieren, jedoch sind bislang bei Kindern keine validierten Scores verfügbar“, ergänzte Prof. Staubach.

Das Geschlecht spielt bei Mastzell-vermittelten Angioödemen kaum eine Rolle. Beim Bradykininvermittelten HAE dagegen sind Frauen meist häufiger und schwerer betroffen als Männer. Bei Frauen treten häufiger abdominelle Attacken auf, bei Männern hingegen häufiger Schwellungen im Genitalund Larynxbereich. Als Triggerfaktoren für Schwellungsattacken spielen bei Frauen v.a. Östrogene und psychischer Stress eine Rolle, bei Männern v.a. körperliche Anstrengung. Östrogene führen bei HAEPatientinnen in der Pubertät und in der Menstruation zu einer Symptomverschlechterung. Entsprechend führen auch östrogenhaltige Kontrazeptiva zu einer Verschlechterung, gestagenhaltige Kontrazeptiva dagegen zu einer Verbesserung der Symptome.4

Ausblick: Zunehmende Bedeutung der Prophylaxe beim HAE
„Die zunehmende Bedeutung der Prophylaxe als Behandlungsstrategie für schwer betroffene Patienten wird durch die aktuellen internationalen WAO/EAACI-Leitlinien1 hervorgehoben“, betonte Prof. Dr. Markus Magerl, Berlin*. Für die Langzeitprophylaxe eines HAE steht für Patienten ab 12 Jahren seit Februar 2019 Lanadelumab zur Verfügung, der erste vollständig humane monoklonale Antikörper, der spezifisch die bei HAE-Patienten unkontrollierte Plasma-Kallikrein-Aktivität hemmt. Lanadelumab reduziert die Therapielast für die Patienten, da es nicht häufiger als alle 2 Wochen subkutan appliziert wird.5

In der Phase-III-Studie HELP (Hereditary Angioedema Long-term Prophylaxis) mit 125 Patienten ab 12 Jahren reduzierte Lanadelumab 300 mg alle 2 Wochen über 26 Wochen (Tag 0 bis Tag 182) die Zahl der Attacken um 87 % (p<0,001). 44 % der Patienten waren attackenfrei gegenüber 2 % mit Placebo. In der Steady-State-Behandlungsphase (Tag 70 bis Tag 182) waren fast 8 von 10 Patienten (77 %) attackenfrei gegenüber 3 % mit Placebo (Abb. 1). Zudem erzielten 81 % der mit Lanadelumab 300 mg alle 2 Wochen behandelten Patienten eine klinisch bedeutsame Verbesserung der Lebensqualität (Reduktion im Gesamt-Score des Angioedema Quality of Life Questionnaire von mindestens 6 Punkten) im Vergleich zu Placebo (p=0,001).5,6 „Damit stärkt Lanadelumab die Möglichkeiten der prophylaktischen Behandlungsstrategie nachhaltig und hat das Potenzial, sich hierbei als Standard zu etablieren. Dies wird noch dadurch unterstrichen, dass der Gemeinsame Bundesausschuss für die prophylaktische Behandlung wiederkehrender HAE-Attacken mit Lanadelumab einen „beträchtlichen“ Zusatznutzen festgestellt hat7“, so das Fazit von Prof. Magerl.

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Abb. 1: Post hoc‐Analyse im Steady‐ State von Lanadelumab: Anzahl an attackenfreien Patienten nach 6 Dosen (Tage 70 bis 182)5,6

Patientenerfahrung: Seit 2 Jahren ohne Attacke
Bestätigt wurden die Studien-Daten zur Wirksamkeit und Lebensqualität durch den Erfahrungsbericht eines Patienten, der seit rund 50 Jahren mit HAE lebt. Im Umgang mit seiner langjährigen Erkrankung war er auf den Notfall entsprechend vorbereitet. Seit Anfang 2016 nimmt er an Studienprogrammen teil und ist seit dem Übergang in die offene Erweiterungsstudie, in deren Rahmen er gesichert Lanadelumab erhält, attackenfrei. Mit der subkutanen Lanadelumab-Prophylaxe, die der Patient alle 2 Wochen durchführt, gewann er nach eigener Aussage ein hohes Maß an Unabhängigkeit zurück. Sein Leben sei „befreit von einer großen Last“.

 

828 Wörter; 6.528 Zeichen inkl. Leerzeichen

*Symposium der Shire Deutschland GmbH, jetzt Teil der Takeda Group, „Angioödeme: Durchblick – Einblick – Ausblick“, 14. Deutscher Allergiekongress, 26. September 2019, Hannover
Referenten: Prof. Dr. Markus Magerl, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin; Prof. Dr. Petra Staubach, Hautklinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Bettina Wedi, Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover

Quellen

  1. Maurer M et al. Allergy 2018;73:1575-1596.
  2. Zuberbier T et al. Allergy 2018;73:1393-1414.
  3. Staubach P. Hautarzt 2019;70:101-106.
  4. Bindke G et al. Hautarzt 2019;70:92-100.
  5. Fachinformation TAKHZYRO 300 mg Injektionslösung (Lanadelumab), März 2019
  6. Banerji A et al. JAMA 2018;320 (20):2108–2121.
  7. Wedi B. Drugs Today (Barc) 2019;55(7):439-448.
  8. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie/Anlage
    XII: Lanadelumab. https://www.g-ba.de/beschluesse/3905/, 1. August 2018

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Hinweise zur Meldung von Nebenwirkungen, siehe Abschnitt 4.8 der Fachinformation.

TAKHZYRO 300 mg Injektionslösung ▼
Wirkstoff: Lanadelumab
Zusammensetzung: Eine Durchstechflasche enthält 300 mg Lanadelumab* in 2 ml Lösung. *Lanadelumab wird in der Ovarienzelllinie des chinesischen Hamsters (Chinese Hamster Ovary, CHO) mittels rekombinanter DNA‐Technologie hergestellt. Sonstige Bestandteile: Dinatriumphosphat‐Dihydrat, Citronensäure‐Monohydrat, L‐Histidin, Natriumchlorid, Polysorbat 80, Wasser für Injektionszwecke.
Anwendungsgebiete: Routinemäßige Prophylaxe von wiederkehrenden Attacken des hereditären Angioödems (HAE) bei Patienten ab 12 Jahren.
Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
Nebenwirkungen: Sehr häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzen, Hautrötung, blaue Flecken, Unbehagen, Schwellung, Blutung, Juckreiz, Verhärtung der Haut, Kribbeln, Wärme und Ausschlag. Häufig: Allergische Reaktionen einschließlich Juckreiz, Unbehagen und Kribbeln auf der Zunge; Schwindelgefühl, Ohnmachtsgefühl; erhabener Hautausschlag; Muskelschmerz; anomale Leberenzymwerte.
Weitere Angaben: s. Fach‐ und Gebrauchsinformation. Verschreibungspflichtig.
Shire Pharmaceuticals Ireland Limited, Blocks 2 & 3 Miesian Plaza, 50‐58 Baggot Street Lower Dublin 2, IRLAND
Stand der Information: März 2019

Unser Engagement für das hereditäre Angioödem
Shire, jetzt Teil von Takeda, unterstützt Patienten seit 10 Jahren als zuverlässiger und dauerhafter Partner der HAE-Community. Wir sind vom Recht der Patienten auf eine maßgeschneiderte Behandlung überzeugt und fühlen uns einer fortgesetzten Innovation verpflichtet. Unser aktuelles Produktportfolio umfasst individuelle Therapieoptionen, um den verschiedenen Bedürfnissen der HAE-Patienten gerecht zu werden. Neben dem Fokus auf der Entwicklung neuer Behandlungen unterstützen wir maßgeschneiderte Angebote für die HAE-Community.

Über die Shire Deutschland GmbH, jetzt Teil der Takeda Group
Takeda ist ein forschungsgetriebenes, wertebasiertes und global führendes biopharmazeutisches Unternehmen mit Hauptsitz in Japan. Als größter japanischer Arzneimittelhersteller engagiert sich Takeda in 80 Ländern und Regionen weltweit dafür, Patienten mit wegweisenden medizinischen Innovationen eine bessere Gesundheit und eine schönere Zukunft zu ermöglichen. Takeda fokussiert seine Forschung auf die Therapiegebiete Onkologie, Gastroenterologie, Erkrankungen des zentralen Nervensystems und Seltene Erkrankungen – sowohl in eigenen Zentren als auch gemeinsam mit externen Experten. Außerdem investiert Takeda zielgerichtet in Forschungsaktivitäten in den Bereichen Plasmabasierte Therapien und Impfstoffe, um eine noch stabilere und vielfältigere Pipeline aufzubauen. Dabei steht der Patient mit seinen Bedürfnissen jederzeit im Mittelpunkt: Unsere Mitarbeiter engagieren sich täglich dafür, die Lebensqualität von Patienten weltweit zu verbessern und die Zusammenarbeit mit Partnern im Gesundheitswesen voranzutreiben.

Die Shire Deutschland GmbH, seit dem 8. Januar 2019 Teil der Takeda Group, und die Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG, ergänzt durch weitere administrative Funktionen in Konstanz, steuern von Berlin aus die gesamten Takeda Aktivitäten für den deutschen Markt. Als Teil eines globalen Produktionsnetzwerkes betreibt Takeda in Deutschland Produktionsstätten im brandenburgischen Oranienburg sowie in Singen. Insgesamt sind mehr als 2.300 Mitarbeiter für Takeda in Deutschland tätig. Besuchen Sie uns im Internet: www.shire.de und www.takeda.de; Datenschutzhinweis: www.shire.de/impressum/privacy-notice und www.takeda.de/privacy

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