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Bei Achse-I- und Achse-II-Störungen an komorbide ADHS denken

19. Januar 2020

Adulte ADHS rechtzeitig erkennen und effektiv behandeln

Berlin, 29.11.19 – Die adulte ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) wird oft von psychiatrischen Begleiterkrankungen wie bipolarer Störung, Sucht oder Persönlichkeits-störungen überlagert.1 Wie eine ADHS trotz überlappender Symptomatik von komorbiden Störungen abgegrenzt und wirksam behandelt werden kann, diskutierten Experten in einem von Shire (jetzt Teil von Takeda) ausgerichteten Symposium im Rahmen des DGPPN-Kongresses 2019. Registerstudien zeigen, dass eine ADHS-Therapie die Häufigkeit von Verkehrsunfällen und Suizidalität verringern kann.2,3 Stimulanzien sind gemäß der aktuellen S3-Leitlinie bei der Behandlung Mittel der ersten Wahl.4 Seit Mai 2019 steht das Prodrug-Stimulanz Lisdexamfetamin (LDX; Elvanse Adult®) als Erstlinientherapie von Erwachsenen mit ADHS zur Verfügung. LDX hat eine nachgewiesene Wirkdauer von 14 Stunden nach Einnahme und sorgt somit für eine gleichmäßige Ganztagesabdeckung bis in den Abend.5,6

Ein beträchtlicher Anteil von Menschen mit einer psychiatrischen Erkrankung ist von einer begleitenden ADHS betroffen7, welche häufig erst spät oder nicht erkannt wird. Viele Patienten, die an einer Achse-I-Störung erkrankt sind, weisen eine komorbide ADHS auf. Dies gilt beispielsweise für mindestens jeden fünften Patienten mit bipolarer Störung (21,2 %) oder Dysthymien (22,6 %) sowie für etwa jeden zehnten Patienten mit Angststörung (11,9 %), posttraumatischer Belastungsstörung (13,4 %), Substanzmissbrauch (10,8 %) und Depression (9,4 %).1 Zu den Achse-II-Störungen, die besonders häufig mit einer ADHS einhergehen, zählen die Borderline-Störung sowie schizotype, antisoziale und narzisstische Persönlichkeitsstörungen.8

ADHS von Komorbiditäten abgrenzen

Dabei können die Symptome der Haupterkrankung durch die komorbide ADHS modifiziert werden, erklärte Prof. Dr. Christian Jacob, Kirchheim. Gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebsmangel als Hauptsymptome einer Depression können beispielsweise durch eine komorbide ADHS mehr Dynamik mit verstärkter Auslenkbarkeit und Schwingungsfähigkeit erhalten. Bei einer Borderline-Störung können Emotionsregulierungsstörungen zunehmen, was beispielsweise zu Beziehungschaos, Selbstwertproblemen, Wutausbrüchen oder Affektlabilität führen kann.

„Lässt sich die psychiatrische Symptomatik eines Patienten nicht vollständig mit Achse-I- oder Achse-II-Erkrankungen erklären, würde ich zunächst einen Screener einsetzen und danach die IDC-10- oder DSM-5-Kriterien für eine ADHS abfragen“, so der Experte. Gut geeignet sei beispielsweise der Screeningfragebogen ASRS-V1.1 der WHO.9 Bei der Differentialdiagnostik sei zu berücksichtigen, dass die komorbiden Erkrankungen zahlreiche Überschneidungen mit der ADHS-Symptomatik aufweisen. Um eine verdeckte ADHS aufzuspüren, gelte es daher, das besondere Augenmerk auf jene Symptome zu lenken, die sich nicht mit der Begleiterkrankung überschneiden und daher ausschlaggebend für die Differenzierung sind.10,11 So können bei einem Patienten mit Depression Rastlosigkeit, Vergesslichkeit, Desorganisation und ein impulsives selbstschädigendes Verhalten auf eine komorbide ADHS hinweisen.

Hoher Stellenwert der Pharmakotherapie in der adulten ADHS

Laut aktueller S3-Leitlinie gehöre die Psychoedukation zur Basis einer Behandlung der adulten ADHS, die den Patienten ein „shared decision making“ ermöglichen soll, erklärte Prof. Dr. Alexandra Philipsen, Bonn. Die Pharmakotherapie wird als primäre Behandlungsoption für erwachsene ADHS-Patienten empfohlen. Hiervon ausgenommen seien Betroffene mit leichter Symptomausprägung, Kontraindikationen oder entsprechende Patientenwünsche.

Zur medikamentösen Erstlinientherapie bei Erwachsenen empfiehlt die Leitlinie Stimulanzien. Atomoxetin kann als Zweitlinienbehandlung oder als Option neben Stimulanzien bei bestimmten Komorbiditäten wie Angststörungen eingesetzt werden.4 Seit Mai 2019 ist das Prodrug-Stimulanz Lisdexamfetamin als Erstlinienmedikation für die adulte ADHS zugelassen. Durch das Prodrug-Prinzip flutet der Wirkstoff sanft an und wird im Tagesverlauf kontinuierlich freigesetzt,12 wodurch eine Wirkdauer von 14 Stunden erzielt wird. Somit bewirkt die einmalige morgendliche Einnahme eine gleichmäßige Verbesserung der ADHS-Kernsymptomatik bei den Patienten bis in den Abend hinein.5,6

Weniger Verkehrsunfälle und Suizidalität

Warum sich eine Behandlung der adulten ADHS lohnt, machte Philipsen anhand von Registerstudien deutlich. Ein US-amerikanisches Register mit 2,3 Millionen ADHS-Patienten belegte einen Rückgang von Notfallbehandlungen nach Verkehrsunfällen von 38 % bei Männern und 42 % bei Frauen durch eine ADHS-Medikation.2 Einen deutlichen Rückgang an Suizidversuchen nach dem Beginn einer medikamentösen ADHS-Therapie konnten auch Daten aus Hongkong zeigen.3 „ADHS ist eine gut behandelbare Erkrankung, und die Patienten lassen sich gut im Praxis- und Stationsalltag integrieren“, fasste Jacob das Fazit des Symposiums zusammen.

Quelle: Lunch-Symposium „Depression, Sucht, Persönlichkeitsstörungen: Steckt eine ADHS dahinter?“, im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) 2019, 29.11.2019, Berlin

Literatur:

1 Kessler RC et al. Am J Psychiatry 2006;163(4):716-723
2 Chang Z et al. JAMA Psychiatry 2017;74(6):597-603
3 Man KKC et al. JAMA Psychiatry 2017;74(10):1048-1055
4 S3-Leitlinie „ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ 2018; AWMF Registernummer 028–045
5 Elvanse Adult® Fachinformation, Stand März 2019
6 Wigal T et al. Behav Brain Funct 2010;6:34
7 Jacob CP et al. Eur Arch Psychiatric Clin Neurosci 2007;257(6):309-317
8 Bernardi S et al. Psychol Med 2012;42(4):875-887
9 https://www.hcp.med.harvard.edu/ncs/ftpdir/adhd/6Q_German_final.pdf (letzter Abruf 09.01.2020)
10 Kooij JJ et al. J Atten Disord 2012;16:3S-19S
11 American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage (DSM-5)
12 Pennick M. Neuropsychiatr Dis Treat 2010;6:317-327

 

750 Wörter; 6.101 Zeichen inkl. Leerzeichen, Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten

 

Elvanse Adult® 30 mg / 50 mg / 70 mg Hartkapseln

Wirkstoff: Lisdexamfetamindimesilat. Zusammensetzung: 1 Hartkps. enth. 30/50/70 mg Lisdexamfetamindimesilat, entspr.8,9/14,8/20,8 mg Dexamfetamin. Sonstige Bestandteile: Mikrokristalline Cellulose, Croscarmellose-Natrium, Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich], Gelatine, Titandioxid (E171), Schellack, Eisen(II,III)-oxid (E172), Propylenglycol, starke Ammoniaklösung, Natriumhydroxid-Lösung. Zusätzl. Erythrosin (E127) (Elvanse Adult® 30/70 mg), Brillantblau FCF (E133) (Elvanse Adult® 50/70 mg).

Anwendungsgebiet: Im Rahmen einer therapeut. Gesamtstrategie zur Behandl. von ADHS bei Erwachsenen; jedoch nicht bei allen Erw.; Anw. erfordert eine sorgfältige Einschätzung des Patientenprofils und eine umfassende Bewertung der Schwere und Chronizität der Sympt. des Patienten, des Potenzials für Missbrauch, Fehlgebrauch oder Zweckentfremdung und des klinischen Ansprechens auf frühere medikamentöse Therapien zur Behandl. von ADHS. D. Sympt. einer bereits seit der Kindheit best. ADHS müssen vorliegen u. sollten rückblickend bestätigt werden. Entspr. d. klin. Beurteilung sollte eine ADHS von mindest. moderat ausgeprägter Schwere vorliegen, die sich in einer mindestens moderaten Funktionsbeeinträchtigung in zwei oder mehr Situationen äußert u. mehrere Aspekte des Lebens d. betr. Person beeinflusst. Behandl. durch Spezialisten. Diagnose nach DSM o. ICD nach vollständ. Anamnese u. Untersuch., nicht allein auf Vorhandensein eines od. mehrerer Sympt. basier. Therapeut. Gesamtstrategie umfasst psychol., pädagog., verhaltens- u. beschäftigungstherapeut., soziale und pharmakotherapeut. Maßn. zur Stabilisierung d. Pat. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit geg. Wirkstoff, sympathomimetische Amine o. sonst. Bestandteile; kürzliche o. laufende Einnahme v. MAO-Inhibitoren; Hyperthyreose, Thyreotoxikose; Erregungszustände; symptomat. Herz-Kreislauf-Erkrankung; fortgeschrittene Arteriosklerose; mittelschwere bis schwere Hypertonie; Glaukom. Nebenwirkungen: Verminderter Appetit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Gewichtsabnahme, Oberbauchschmerzen, Agitiertheit, Angst, Libido vermindert, Tic, Affektlabilität, psychomotorische Hyperaktivität, Zähneknirschen, Aggression, Schwindel, Unruhe, Tremor, Somnolenz, Tachykardie, Palpitationen, Dyspnoe, Durchfall, Obstipation, Übelkeit, Erbrechen, Hyperhidrose, Hautausschlag, erektile Dysfunktion, Schmerzen in der Brust, Reizbarkeit, Müdigkeit, Zerfahrenheit, Fieber, Blutdruckanstieg, Überempfindlichkeit, Logorrhoe, Depression, Dysphorie, Euphorie, Dermatillomanie, Manie, Halluzinationen, Dyskinesie, Dysgeusie, verschwommenes Sehen, Mydriasis, Raynaud-Syndrom, Urtikaria, anaphylaktische Reaktion, psychotische Episoden, Krampfanfall, Kardiomyopathie, eosinophile Hepatitis, Angioödem, Stevens-Johnson-Syndrom.

Weitere Angaben: s. Fach- u. Gebrauchsinformation. Verschreibungspflichtig, BtM. Shire Pharmaceuticals Irland Ltd., Dublin 2, Irland.

Stand der Information: März 2019.

Über die Shire Deutschland GmbH, jetzt Teil der Takeda Group

Takeda ist ein forschungsgetriebenes, wertebasiertes und global führendes biopharmazeutisches Unternehmen mit Hauptsitz in Japan. Als größter japanischer Arzneimittelhersteller engagiert sich Takeda in 80 Ländern und Regionen weltweit dafür, Patienten mit wegweisenden medizinischen Innovationen eine bessere Gesundheit und eine schönere Zukunft zu ermöglichen. Takeda fokussiert seine Forschung auf die Therapiegebiete Onkologie, Gastroenterologie, Erkrankungen des zentralen Nervensystems und Seltene Erkrankungen – sowohl in eigenen Zentren als auch gemeinsam mit externen Experten. Außerdem investiert Takeda zielgerichtet in Forschungsaktivitäten in den Bereichen Plasmabasierte Therapien und Impfstoffe, um eine noch stabilere und vielfältigere Pipeline aufzubauen. Dabei steht der Patient mit seinen Bedürfnissen jederzeit im Mittelpunkt: Unsere Mitarbeiter engagieren sich täglich dafür, die Lebensqualität von Patienten weltweit zu verbessern und die Zusammenarbeit mit Partnern im Gesundheitswesen voranzutreiben.

Die Shire Deutschland GmbH, seit dem 8. Januar 2019 Teil der Takeda Group, und die Takeda Pharma Vertrieb GmbH & Co. KG, ergänzt durch weitere administrative Funktionen in Konstanz, steuern von Berlin aus die gesamten Takeda Aktivitäten für den deutschen Markt. Als Teil eines globalen Produktionsnetzwerkes betreibt Takeda in Deutschland Produktionsstätten im brandenburgischen Oranienburg sowie in Singen. Insgesamt sind mehr als 2.300 Mitarbeiter für Takeda in Deutschland tätig. Besuchen Sie uns im Internet: www.shire.de und www.takeda.de/; Datenschutzhinweis: www.shire.de/impressum/privacy-notice und www.takeda.de/privacy.

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Diese Pressemitteilung enthält Hintergrundinformationen unseres Hauses für die Fachpresse zu Teilaspekten einer umfassenden, breiten Berichterstattung der Fachpresse über Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie neuen Entwicklungen in der Forschung. Sie soll eine eigene Befassung der Fachpresse mit diesem wichtigen Thema im Rahmen einer unabhängigen Berichterstattung erleichtern und ist nicht zur unveränderten Übernahme bestimmt.


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