Morbus Gaucher

Die Erbkrankheit M. Gaucher gehört zur Gruppe der so genannten lysosomalen Speicherkrankheiten. Schätzungen zufolge betrifft die Erkrankung in Mitteleuropa etwa einen von 50 000 Menschen – damit zählt M. Gaucher zu den seltenen Erkrankungen.

Ursachen

Bei M. Gaucher wird im Körper ein bestimmtes Enzym – die β-Glukozerebrosidase – in zu geringer Menge gebildet. Dieser Enzymmangel ist auf eine Genveränderung zurückzuführen, die der Betroffene von beiden Eltern geerbt hat (autosomal rezessiver Erbgang).

Das Enzymdefizit führt dazu, dass sich das Stoffwechselzwischenprodukt Glukozerebrosid in Zellen des Immunsystems, insbesondere in den Makrophagen («Fresszellen») ansammelt. Es kommt zu einer Vergrösserung der Makrophagen, die man in diesem Zustand auch als Gaucher-Zellen bezeichnet. Grössere Ansammlungen von Gaucher-Zellen findet man vor allem in Leber, Milz und Knochenmark, aber auch in anderen Organen. Die vergrösserten Gaucher-Zellen können mehr oder weniger ausgeprägte Funktionsstörungen der genannten Organe verursachen.

Typische Symptome

In erster Linie sind Milz, Leber und Knochenmark von der Infiltration mit Gaucher-Zellen betroffen. Dies führt bei den Patienten zu einer Vergrösserung von Milz und Leber sowie zu einer Blutarmut, einer verminderten Anzahl von weissen Blutkörperchen und einer verminderten Anzahl der Blutplättchen.

Die Infiltration des Knochenmarks geht bei den Patienten mit Störungen am Skelettsystem einher wie beispielsweise Knochenbrüchen sowie Deformierungen und Wachstumsstörungen bei Kindern. In seltenen Fällen tritt die Krankheit auch am Zentralnervensystem auf – in diesem Fall spricht man von der neuropathischen Form. Bei dieser Form der Erkrankung können schwere Hirnschäden auftreten, die bereits in den ersten Lebensjahren tödlich enden können.

Der Befall innerer Organe und der Schweregrad des Krankheitsverlaufs ist beim M. Gaucher sehr variabel. Bei der wesentlich häufigeren nicht-neuropathischen Form, die rund 95 Prozent aller Patienten betrifft, treten oft erst im Erwachsenenalter Symptome auf, wie eine Vergrösserung von Leber und Milz, Blutarmut, sowie eine verminderte Anzahl der Blutplättchen.

Diagnose

Eine Leber- und Milzvergrösserung mit entsprechenden Blutbildveränderungen und Knochensymptomen sind mögliche Hinweise auf einen M. Gaucher. Die Diagnose lässt sich durch eine Messung bestimmter Blutwerte, eine Untersuchung des Knochenmarks, die Messung der β-Glukozerebrosidase-Aktivität oder durch den direkten Nachweis des Gen-Defekts im Rahmen einer DNA-Untersuchung aus einer Blutprobe oder mithilfe einer Trockenblutkarte absichern. Werdende Mütter können durch eine Untersuchung des Mutterkuchens (Plazenta) oder des Fruchtwassers feststellen lassen, ob das noch ungeborene Kind von der Erkrankung betroffen ist.

Behandlung

Für die Behandlung des M. Gaucher stehen zwei Therapieoptionen zur Verfügung: Die Enzymersatztherapie (EET) sowie die Substrathemmung beziehungsweise Substratreduktion.

Bei der Enzymersatztherapie wird das fehlende beziehungsweise defekte Enzym β-Glukozerebrosidase ersetzt und als Medikament den Patienten in Form von Infusionen im Zwei-Wochen-Rhythmus verabreicht. So können die in den Makrophagen gespeicherten Glukozerebroside abgebaut werden. Derzeit stehen zwei verschiedene Substanzen für die EET zur Verfügung.

Bei der Subtrathemmung beziehungsweise Subtratreduktion wird eine Substanz verabreicht, mit der sich die Bildung von Glukozerebrosiden hemmen und somit die Anreicherung des Stoffwechselzwischenprodukts verringern lässt. Diese Behandlungsmöglichkeit ist in der Schweiz nicht zugelassen.

Weitere Therapiemöglichkeiten befinden sich in der Entwicklung.

C-ANPROM/CH//0530-03/2020