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Multiples Myelom

Das Multiple Myelom (MM) wird nach WHO-Kriterien den B-Zell-Lymphomen zugerechnet. Diese maligne Erkrankung ist durch eine monoklonale Plasmazellvermehrung im Knochenmark charakterisiert. In der Folge kommt es zur vermehrten Produktion kompletter oder inkompletter monoklonaler und funktionsuntüchtiger Immunglobuline, welche als sogenanntes „Paraprotein“ bzw. M-Gradient im Serum und/oder Urin nachweisbar sind.

 Das MM ist nach Leukämien und Non-Hodgkin-Lymphomen die dritthäufigste hämatologische Neoplasie und für ca. 1% aller Krebserkrankungen verantwortlich. Bei dieser seltenen Erkrankung besteht eine altersabhängige, geschlechtsspezifische und ethnische Variabilität. Die Ätiologie der Erkrankung ist ungeklärt. Exposition gegenüber ionisierender Strahlung, Pestiziden und Produkten der Petrochemie / Gummiverarbeitung, sowie Adipositas und chronische Infektionen werden als mögliche Risikofaktoren diskutiert. [1]

 Die Inzidenz lag bei Männern im Zeitraum von 2005-2009 durchschnittlich bei 5,4 Erkrankungen/100.000 Einwohnern, für Frauen bei 3,7 Erkrankungen/100.000 Einwohnern. Die Erkrankungshäufigkeit steigt ab dem Alter von 50 Jahren signifikant an, die Erkrankung wird im Schnitt erst mit knapp 70 Jahren diagnostiziert. [1,2]

 Der Erkrankung geht eine monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) regelmäßig voraus. Bei einem MGUS besteht das Risiko einer Progredienz in ein behandlungsbedürftiges MM oder eine andere lymphoproliferative Erkrankung in Höhe von etwa 1%/Jahr. Eine Therapie ist bei symptomatischem MM gemäß den Kriterien der International Myeloma Working Group (IMWG) indiziert. [1]

Ziel der Behandlung eines symptomatischen Myelompatienten ist das Erreichen einer bestmöglichen Remission mit rascher Symptomkontrolle und Normalisierung myelombedingter Komplikationen, unter Berücksichtigung der individuellen Krankheits- und Lebenssituation, und unter weitestmöglicher Vermeidung kurz- und langfristig belastender Nebenwirkungen der Therapie. Auch nach Erreichen einer kompletten Remission ist bei einer Vielzahl von Patienten eine minimale Resterkrankung (Minimal Residual Disease, MRD) nachzuweisen (Sensitivitätsniveau: Immunhistochemie 10-3, Flow Cytometrie 10-4, ASO-PCR 10-5, DNA-Sequenzierung 10-6). MRD-Negativität ist im Vergleich zu MRD-Positivität mit klaren Vorteilen beim PFS und OS behaftet. Daher wird die Vertiefung der Response unter Therapie zunehmend wichtiger. [1,2]

Beim Ziel der Verlängerung der progressionsfreien und der Gesamtüberlebenszeit wird die Hochdosistherapie (HDT) mit nachfolgender autologer Stammzelltransplantation angestrebt; die obere Altersgrenze für deren Indikation verschiebt sich >65 Jahre bei Patienten mit gutem Allgemeinzustand. [1]

Zur weiteren Reduktion der Tumorlast nach einer Stammzelltransplantation kann anschließend eine Konsolidierungstherapie zur Verbesserung der Tiefe des Ansprechens durchgeführt werden. Die Einführung neuer Therapeutika mit niedrigerer Toxizität im Vergleich mit traditionellen Optionen unterstützt das Konzept der kontinuierlichen Therapie (Maintenance). [2]

Die Therapie von Patienten mit MM ist aufgrund neuer, hochwirksamer Therapeutika, welche die Überlebensraten signifikant verbessern konnten, im Wandel. Unabhängig von der Eignung zur Transplantation erfolgt die First-line-Therapie bevorzugt mittels Triplett; eine Vielzahl an möglichen Therapiekombinationen für diese Induktion wurde in Studien untersucht. Die Auswahl der geeigneten Induktionstherapie berücksichtigt vorhandene Komorbiditäten, genetische Risikokonstellationen und eine geplante Stammzellapherese. [1,2,3]

Trotz der Therapiefortschritte treten im Verlauf der Erkrankung durch klonale Selektion Rezidive auf. Die Auswahl der geeigneten Therapie bei rezidivierten bzw. refraktären MM (RRMM) richtet sich nach dem Alter, ECOG-Performancestatus, Komorbiditäten, vorangegangenen Therapien (Anzahl der Linien, Art, Wirksamkeit, Verträglichkeit), verbleibenden Therapieoptionen und dem Intervall seit der letzten Therapie. Die Behandlungsmöglichkeiten für das RRMM sind aufgrund der neuen Optionen vielfältig,  zur Verfügung stehen Proteasom-Inhibitoren, Immunmodulatoren, monoklonale Antikörper und HDAC-Inhibitoren. [2,3,4]

 

 Quellen:

1) Onkopedia-Leitline  „Multiples Myelom“ (Stand: September 2013, download unter http://www.onkopedia.com/)
2) Röllig C, et al: Multiple myeloma – Seminar. 
Lancet 2015; 385: 2197–208
3) Moreau P et al: Multiple myeloma - ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2013; 24 Suppl 6: vi133-7.
4) Moreau P et al: The future of therapy for relapsed/refractory multiple myeloma: emerging agents and novel treatment strategies. 
Semin Hematol. 2012; 49 Suppl 1: S33-46

 

Jänner 2018

AT/IZA/0117/0010